Bei der Fußballweltmeisterschaft häuften sich in diesem Jahr die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Tore wurden nicht erkannt, Abseitspositionen nicht abgepfiffen und für Fouls wurden rote Karten gegeben, die allerhöchstens mit einer gelben Karte hätten geahndet werden dürfen. Menschen fällen Urteile – auch Fehlurteile. Wir richten und entscheiden, äußern unsere Überzeugungen und stellen Zensuren aus - über Menschen und Tatbestände - jeweils aus einem sehr persönlichen, nämlich unserem Blickwinkel. Nach dem „Klassiker“ der WM, dem Spiel „Deutschland : England“, wurden am Tag darauf in England die Schiedsrichter wütend beschimpft, während man in Deutschland die taktisch und spielerisch hervorragende Leistung der Mannschaft lobte. Das liegt am Blickwinkel, das ist allzu menschlich! Und wenn wir uns selbst beurteilen, plädieren wir tendenziell für und nicht gegen uns. Johann Gottfried Herder (1744-1803) hat es einmal so formuliert: "Durch ein Vergrößerungsglas betrachtet man die Vorzüge derer, die man liebt, und die Fehler derer, die man nicht liebt."
Jesus Christus spricht: „Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen“. Jesus redet mit Pharisäern. Sie bezweifeln, dass er das „Licht der Welt“ sei. Er aber verweist darauf, dass er von Gott herkommt und zu ihm zurückkehren wird. Doch beweisen kann er das nicht. Die Pharisäer urteilen und richten aus ihrem Blickwinkel und nach menschlichem Ermessen. Im Hinblick auf Jesus aber entscheidet sich das Urteil allein daran, ob ein Mensch glauben, das heißt, vertrauen kann. Glauben wir, so setzen wir Jesus auf der Rangliste dessen, was für unser Leben von Bedeutung ist, auf Platz 1. Glauben und Vertrauen sind etwas grundsätzlich Anderes als Urteilen und Richten. Glauben und Vertrauen sind eine Angelegenheit des Herzens. Technische Hilfsmittel gibt es da nicht! Wer glaubt, der unterstellt sich dem Urteil Gottes und hofft, dass ER uns - einmal endgültig - so beurteilt, wie es für uns das Beste ist. Aus diesem Grund sollten sich Christen immer auch Mühe geben, anderen so gerecht zu werden, wie sie es von ihnen sich selbst gegenüber erwarten.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Andreas Gronemeier
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