Wozu ist die Taufe gut?

Taufen sind wieder beliebt. Vorbei die Zeit, in der Eltern wollten, dass 'ihre Kinder einmal selbst entscheiden sollen'. Taufen sind wieder beliebt. Viele Eltern haben sich schon im Voraus mit der Taufe beschäftigt – Dank Internet - und haben sich einen Taufspruch ausgesucht. 90% der Taufeltern kommen immer wieder auf denselben: 'Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.' (Ps 91,11f)
Warum?
Zum einen haben auch Engel z.Zt. Hochkonjunktur wie man an einschlägiger Literatur und ebenso einschlägigen Einrichtungshäusern feststellen kann. Aber in den der Taufe vorausgehenden Taufgesprächen begegnet mir immer wieder der tief empfundene Wunsch der Eltern, den Kindern möge in der als böse empfundenen Welt nichts Böses zustoßen. Die Kinder mögen bewahrt werden vor Krankheit, Unfall und bitteren menschlichen Erfahrungen. Sie mögen ein glückliches Leben führen, selbstbestimmt, mit einem befriedigenden Beruf ohne Geldsorgen und Arbeitslosigkeit. Und verantwortliche Eltern haben dabei mehr als andere das Gespür für die Verrohung, Gnadenlosigkeit und Härte des Lebens.
Die Taufe also als Lebensversicherung? Die Taufe als Schutzimpfung vor dem Schlimmsten? Was kann die Taufe leisten – und was nicht?

Ein kurzer Blick in den biblischen Befund hilft bei der Orientierung:
Das erste Mal wird von der Taufe bei Johannes dem Täufer berichtet (Mt 3). Johannes predigte die Buße, und als Zeichen der Buße und der Bewahrung vor dem kommenden Gerichts tauchte er Menschen im Jordan unter. Auch Jesus ließ sich von ihm taufen. Bei der Taufe Jesu wird erzählt, dass sich der Himmel auf tut und Gott selbst spricht: 'Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe'. Damit bekennt sich also Gott selbst zur 'Vaterschaft' Jesu bei seiner Taufe. Seitdem ist klar: jeder Mensch, der getauft wird, ist ein Kind Gottes, gehört in die große Familie der Christen auf der ganzen Erde. Deshalb können wir alle zu recht Geschwister genannt werden und dürfen uns so nennen.

Jesus selbst hat nicht getauft, in seiner Verkündigung spielt die Taufe keine Rolle. Für Jesus ist der Glaube ausschlaggebend für das Heil der Menschen. Aber schon kurz nach seinem Tod haben die Menschen getauft und sich taufen lassen. Sie taufen 'auf' oder 'im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes'. Warum das so war und worauf sie sich berufen haben, ist bis heute unklar. Sicher haben sie die Taufhandlung von Johannes dem Täufer übernommen, aber sie mit einem neuen Sinn gefüllt. Dabei spielt sowohl die Sündenvergebung, die Gabe des Heiligen Geistes (Apg 3,38ff), als auch die enge Verbindung mit Christus selbst eine zentrale Rolle. Die Taufe ist jetzt eng mit dem Glauben der Getauften verbunden. Die Menschen nahmen Gottes Wort an und ließen sich taufen, heißt es. Damit scheint die Abfolge von vorausgehendem Glaube und nachfolgender Taufe klar zu sein. Andererseits ist aber auch deutlich, dass der Glaube wie die Taufe ein Geschenk des Heiligen Geistes ist, und damit keine Bedingung sein kann, die an die Taufe geknüpft wird. Diese Frage hat bis heute dazu geführt, dass die Praxis der Taufe unterschiedlich gehandhabt wird. Es gibt Kirchen, die lehnen die Kindertaufe ab, weil sie die persönliche Entscheidung des erwachsenen Menschen zu Jesus Christus voraus setzen. Die meisten Kirchen gehen allerdings heute einen anderen Weg und taufen Menschen schon im Kindesalter. Damit wird deutlich, dass der Glaube ein Geschenk Gottes bleibt, und die Taufe das unverdiente, an keine Vorleistung gebundene Ja Gottes zu uns ist.

Im Zeichen der Taufe nimmt Gott uns als Sohn und Tochter an und spricht sein unauslöschliches und deshalb unwiederholbares Ja zu uns. Damit verheißt er uns alle Segnungen, die er uns mit dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi zugeeignet hat: die Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Allerdings ist das kein Selbstläufer, keine Magie und keine Zauberformel. Getaufte Menschen werden im Glauben dieser Dinge teilhaftig. Ohne den persönlichen Glauben bleiben die Verheißungen uneingelöst.

Eine Taufe kann nicht verwirkt werden, Gottes Verheißungen gelten lebenslang, aber sie kann nutzlos und brach liegen. Zur Taufe gehört also unauflöslich auch die Lehre, die Verkündigung, die Konfirmation, das Festmachen in der Lehre, damit der Glaube bei uns festmachen kann. Deshalb haben Eltern eine große Verantwortung, wenn sie ihre Kinder zur Taufe bringen. Wenn sie selbst es nicht leisten können, dann sind die Paten gefragt. Sie erhalten von der Kirche deshalb auch ein Amt, das Patenamt. Und Kinder werden in die Gemeinde hinein getauft, im Gottesdienst. Die Gemeinde ist Zeuge und übernimmt so selbst Verantwortung in der Unterrichtung der Kinder und Jugendlichen. Die Taufe ist auch keine reine Familienfeier, so schön sie auch ist, die Taufe ist ein Gemeindefest. Deshalb ist die Taufe auch nicht nur etwas für die 'klassische' Familie, sondern überall dort, wo ein Mensch geboren wird, möchte Gott sein 'Ja' zu ihm sprechen.

Die Taufe ist also nicht die Versicherung gegen alles Unheil dieser Welt. Auch ein getauftes Kind kann von einem Auto überfahren werden – Gott möge es davor bewahren. Gott schützt nicht vor allem Unheil, aber er schützt im Glauben vor Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und ewigem Tod.

Christiane Nolting / Quelle: Unsere Kirche

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