Liebe Leserin, lieber Leser,

 

dieser Schilderwald ist so geistlos, dass er schon wieder geistreich ist. Mich jedenfalls hat er begeistert,

mit dem Auto stand ich eher etwas entgeistert davor. Was nun? Durchfahrt bis zum Sackgassenende? Oder ganz verboten, vor allem in der Großen Himmelstraße? Ich entschied, das Auto ab zu stellen und zu Fuß weiter zu gehen. Aber es hat ja auch etwas Meditatives. Meine Gedanken gehen spazieren. Ich kann ja schließlich auch nicht weiter fahren...

Manche Texte eines Paulus kommen mir ganz ähnlich vor: es geht nicht weiter, ich komme nicht voran, der Sinn bleibt mir weitest gehend verborgen, Sackgasse am Ende der Straße. Gut, Paulus wird sich etwas dabei gedacht haben, ganz bestimmt sogar, aber ich kann den Sinn nicht immer erkennen. Dazu fällt mir ein anderes Schriftwort (auch von Paulus) ein: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber

von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. (1.Kor.13,12). Das tröstet mich. Irgendwann wird sich mir der Sinne erschließen. Und das sagt Paulus dann auch noch von der Liebe, die ja oft noch rätselhafter ist als ein orientierungsloser Schilderwald.

Ich kann und werde nie durchstarten können zur Großen Himmelsstraße. Zu viel Steine auf dem Weg, zu viele Löcher.

Vielleicht muss ich erst durch die Johannesstraße: Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur

Versöhnung für unsre Sünden.

Aber ist das so viel leichter? Ich weiß nicht. Ich sehe nur den einen Weg für mich: ich werde einfach losgehen – ungeachtet der Schilder, werde mich von ihnen nicht abschrecken lassen. Es wird einen Weg geben, ich werde mein Ziel erreichen – vielleicht ist der Weg ja für Anwohner frei, das muss ich heraus finden. Und das ist dann wirklich 'geschenkt'.

 

Ihnen wünsche ich auf dem Weg in den Urlaub freie Straßen und Wege – aber manch Umweg führt auch zum Ziel,

 

Ihre Christiane Nolting, Pfarrerin