Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Straßburg im Elsass - heute denkt man an eine wunderschöne Stadt mit altem Fachwerk, das Münster und das Europäische Parlament. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts zählt Straßburg etwa 20.000 Einwohner. Die Nachrichten von den Ereignissen in Wittenberg - Luthers 95 Thesen und erste reformatorische Schriften - erreichen schnell auch die Menschen in Straßburg. Pfarrer machen sich die evangelische Lehre zu eigen. Unter ihnen ist auch der Namensvetter Luthers: Martin Bucer. 

 

Wie Luther ist auch Bucer Mönch. Als er von Luthers Gedanken hört, ist er begeistert. Immer weniger fühlt er sich seinem Dominikaner-Orden zugehörig. Er verlässt den Orden und wird Gemeindepfarrer. Doch bald schon lernt er eine Frau kennen und heiratet sie, die Nonne Elisabeth Silbereisen. Das zieht Konsequenzen nach sich: Weil er den Zölibat nicht eingehalten hat, muss er die Pfarrstelle aufgeben. Er flieht gemeinsam mit seiner Frau und findet freien Reichsstadt Straß-burg Zuflucht.

 

Bucer gehört zu denen, die in den Streitigkeiten innerhalb des evangelischen Lagers vermitteln. So pocht Luther beim Abendmahl darauf, dass Christus leibhaftig in Brot und Wein gegenwärtig ist, während die reformierten Schweizer wie Zwingli diese Haltung als katholisch abtun und vielmehr meinen: Im Abendmahl erinnern sich Gläubige an Christus. Bucer will vermitteln. Er lenkt den Blick auf den Glauben und nicht darauf, wie Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist. Aber leider sind weder Luther noch Zwingli zu einem Kompromiss bereit. Schade eigentlich, denn Bucer geht es nicht um Gleichmacherei, oder darum Wichtiges unter den Tisch zu kehren. Er möchte vielmehr, dass alle am gleichen Tisch zusammen finden. Gerade die Unterschiede könnten den Glauben bereichern, so der Straßburger Theologe. Schade auch, dass gerade dieser Versöhner zwischen den Fronten weniger bekannt ist. Eine Erfindung Bucers hat in der evangeli-schen Kirche jedoch Karriere gemacht: der Konfirmandenunterricht und mit ihm die sich anschließende Konfirmation. Da die Evangelischen die Kindertaufe hoch halten, erfinden sie den Konfirmandenunterricht, um junge Menschen im Glauben zu bilden, und um sie zu segnen für ihre Reise durch das Leben. 

 

In den kriegerischen Wirren späterer Jahre führt Bucers Lebensweg nach England. Auch hier wirkt er bis zu einem Tod 1551 mit an Ordnungen für das kirchliche Leben. 

 

Segen für die Reise durch das Leben wünscht Ihnen 

Ihre Pfarrerin Jutta Schlitzberger