Liebe Leserin, lieber Leser!

„Kennen Sie jemanden, der keine Musik mag? Alle mögen Musik, auch wenn die Geschmäcker verschieden sind,“ so höre ich die Stimme im Radio. Unwillkürlich denke ich an das Gospel-Wochenende vom Januar zurück, an dem rund 40 Frauen und Männer teil nahmen, mit ihrer Musik am Sonntag die Kirche füllten und den Gottesdienst bereicherten. Schön war’s! Auf ein Neues im kommenden Jahr!

Merkwürdigerweise nur kommen immer wieder Fragen auf: Darf man im Gottesdienst klatschen?
Passen Gottesdienst und Gospel überhaupt zusammen? Vor allem, wenn der Gospelsworkshop in die Passionszeit fällt? Viele Gespräche gab es. Manche wünschen sich mehr Freiheit im Gottesdienst, andere klärende Worte der PfarrerIn zu Beginn des Gottesdienstes, - z. B. auch, was das Fotografieren im Gottesdienst betrifft. Letzteres geht in der Tat schon allein aus Datenschutzgründen nicht.

Nur der gute alte Pater Brown, alias Heinz Rühmann, der im Film vor dem Gottesdienst die Türe bewacht und den Gaunern die Waffen abnimmt, dass sind die Theologen heute nicht. Beschlagnahmen nicht Fotoapparate und sehen sich nicht in der Rolle der Verhaltenshüter. Vielmehr leitet ein Pfarrer, eine Pfarrerin den Gottesdienst, eröffnet Raum zum Beten, zum gemeinsamen Gesang und zum Hören auf Gottes Wort.

SDG! (Soli Deo Gloria! und übersetzt: Allein Gott die Ehre!) so unterschrieb der Vorläufer aller Gospel seine Musik: Johann Sebastian Bach. Musik zur Ehre Gottes. So auch der Gospel. Gospel ist Musik und Botschaft zugleich. Versetzt den Menschen in Bewegung. Der Rhythmus geht in den Körper und hier und da auch in die Hände. Warum denn auch nicht.

Und Gospel Botschaft. Botschaft von der Freiheit der Menschen im Vertrauen zu Gott. Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus. Botschaft, dass da selbst durch die dunklen Tiefen des Lebens ein Weg ist ins Licht. Darum passen auch Gospel und (Passions-)Gottesdienst.

„In einer Berliner Kirche steht auf dem Altar ein Kreuz mit der Inschrift: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun. Es heißt, bei Trauungen verdeckt der Küster die Inschrift mit einem Blumenstrauß.“
Glücklicherweise ist das nur eine Anekdote. Denn wenn Gott, dann ganz! Dann hat Gott Raum in meinem Leben. Dann gilt sein Wort verlässlich: zur Trauung und später in der Ehe, beim Singen und beim Zähneputzen, im Leben und im Sterben. Gott setzt sich mit ganzer Passion - mit Jesu Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen - für Menschen ein. Weil er sie liebt. Weil er sie in seiner Liebe halten möchte.
„The beat goes on“, Und Menschen fangen an zu klatschen. Die Botschaft der Liebe Gottes erklingt und trägt und bringt Menschen in Bewegung, sie weiter zu erzählen. Im kommenden Jahr wird der Gospel-Gottesdienst am Sonntag „Invocavit“ sein, benannt nach dem Psalmvers „der Herr hört mein Gebet“. Das ist gute Botschaft. Davon lässt sich singen. Und der Gospel wird uns dann bewegen und die Herzen öffnen.

Ihre und Eure


Jutta Schlitzberger