Liebe Leserinnen und Leser,

 

die Weltgeschichte ist eine einzige Gottes-geschichte. Gott will die Menschen und gibt ihnen nicht nur Aufträge, sondern auch Schutz.

Menschen aber, kaum auf der Erde, fordern Gott heraus und wollen sich mit ihm auf „Augenhöhe“ bringen. Dazu müssen sie in den Himmel. Sie müssten, meinen sie, ja nur einen „Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel“ reicht. Nichts leichter als das, man braucht nur Stein auf Stein zu setzen und wächst über sich hinaus.

Denken sie. Und machen, wie man so sagt, ihre Rechnung ohne den Wirt.

Je hochmütiger sich ein Mensch gibt, desto weiter entfernt er sich von Gott. Nur Demut bringt Gott nahe. Das wissen die Baumeister von Babel noch nicht. Aber bald. Vor lauter Hochmut hören sie auf, einander zu verstehen.

Der Turm des Hochmuts zerfällt. Das Bild erzählt die gewaltige Zerstörung des Turms des Hochmuts. Dort steht die Verwirrung der Sprache, die den Turm zwar nicht zum Einsturz bringt, das Weiterarbeiten aber verunmöglicht. So zerfällt er. Hochmut, der die einen erbaut, lässt andere zerfallen. Hochmut, der mich zusammenhält, lässt andere an mir zerbrechen. Ich spreche dann nur noch meine Sprache und nicht mehr die der anderen.

Demut heißt, die Sprache Gottes verstehen und sprechen zu lernen.

Darum bittet ein Mensch in Psalm (143,10): „Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn.“

Um Gottes Geist bitten heißt, sich des Hochmuts zu entkleiden, man könne alles alleine wissen und können und machen. Um Gottes Geist bitten ist, sich selbst aus dem Mittelpunkt der Welt zu nehmen und sich

zu erkennen als der, der man ist: Gottes Geschöpf; Angewiesener und Gleicher zu anderen Geschöpfen. Ihnen will ich demütig begegnen, nie „von oben herab“. Ihre Sprache darf ich nicht verlernen. Ich will andere noch hören können, wenn sie mir meinen Turm des Hochmuts vorhalten. Und will darauf hören, wenn sie mich mahnen. Oder brauchen. Und lieben.

 

Hochmut liebt nur sich selbst.

Demut empfindet Liebe von anderen.

Um diesen Geist der Demut bitten wir zum Pfingstfest,

 

Ihre Christiane Nolting