Liebe Leserin, lieber Leser,

 

„Leben und leben lassen“ dieses Lebensprinzip ist in vielen Religionen der Welt zu Hause, in den fernöstlichen zumal. Ehrfurcht vor dem Leben. Respekt vor dem Fremden. Gelten lassen dessen, was eher abstößt. Die Umsetzung fällt schwer, die Angst vor Fremden behält oft die blutige Oberhand.

 

Im Glauben von Christen hat dieses Prinzip eine persönliche Gestalt, ein Gesicht bekommen. Versöhnung mit Gott setzt immer Versöhnung unter uns voraus. Versöhnte  Verschiedenheit, wie es Katholiken und Evangelische im zu Ende gehenden Reformationsjubiläumsjahr freundschaftlich, wenn auch nicht in letzter Konsequenz (gemeinsames Abendmahl) zelebriert haben. Der Garant dafür ist und bleibt für uns Jesus Christus, in dem Gott uns alle so angenommen hat, wie wir sind. Mit unserer bunten Fülle von Verschiedenheit. Mit unserem Strauß von Eigenarten, von denen durchaus nicht alle sympathisch sind. Ohne ihm zu entsprechen, „wie er uns angenommen hat“, brauchen wir von Gott erst gar nicht zu reden. Er bleibt uns fern, bis wir das begriffen haben. Das geht nicht: Gott fromme Lieder zu singen, ihn preisen zu wollen – und den anderen, wenn er uns nicht passt, ausschließen zu wollen. Ihm die Existenz abzusprechen.

Denn das feiern wir jedes Jahr wieder: dass Gott zu allen Menschen kam, um uns die Versöhnung zu bringen, um uns mit ihm zu versöhnen. Wenn Gott Mensch wurde, was wir Christen glauben, dann wurde er nicht Mensch einer bestimmten Ausprägung, sondern als Mensch Bruder aller Menschen. Und wenn wir das nicht begreifen wollen, dann sollten wir besser kein Weihnachtsfest feiern. Wenn wir das aber begreifen können, dann sollten wir das ganze Jahr Weihnachten feiern...

 

Eine gute Festzeit wünscht Ihnen

Ihre Christiane Nolting