„Komm, gieß mein Glas noch einmal ein mit jenem bill’gen roten Wein, in dem ist jene Zeit noch wach, heut trink ich meinen Freunden nach. Bei diesem Glas denk’ ich zurück an Euch, mit denen ich ein Stück auf meinem Weg gegangen bin.“ (Reinhard Mey) 

Liebe Leserin, lieber Leser! 

Längst ist der Urlaub vorbei, der Alltag zurück gekehrt. Aber an einem Abend bei einem Glas Wein denk ich zurück an Dänemark, die Heimat von Hans-Christian Andersen. An die alten Eichen am Strand, die in diesem Sommer wunderbar Schatten spenden und von deren dicken Ästen Seile herunter hängen, damit Kinder schaukeln können. Fröhlich ist das Mädchen, das sich von der Mutter Anschwung geben lässt. 

Schön war’s! „Bei diesem Glas denk ich zurück an Euch ...“ Manchmal gehen die Gedanken spazieren. Da tauchen alte Erinnerungen und Bilder wieder auf von Menschen, mit denen ich ein Stück des Weges gegangen bin. Mit manchen nur ein kurzes Stück, andere sind mir über lange Zeit vertraut. Manche leben an anderen Orten, ich sehe sie selten. Manche sind schon gegangen. Unter die Schönheit der Erinnerungen mischt sich der Schmerz des Loslassens und des Abschieds. Trotzdem aber erinnere ich mich und immer wieder auch gern. 

Reinhard Mey dichtet seine Erinnerungen weiter und schreibt über seine Freunde: „Eigentlich ging keiner fort: In einer Geste, einem Wort, in irgendeiner Redensart lebt Ihr in meiner Gegenwart.“ 

Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ist ein Tag sich zu erinnern, den Namen eines verstorbenen Menschen noch einmal bewusst laut zu hören, eine Kerze für ihn anzuzünden und mit Brot und Wein gemeinsam mit anderen Abendmahl zu feiern. Die Verstorbenen sind nicht mehr da, aber in meiner Erinnerung sind sie noch nah, höre ich noch ihre Stimme, sehe ich noch das markante Gesicht, die Hände. Gutes und Dank verbinde ich mit dem gewesenen gemeinsamen Leben. 

Um wie viel mehr mag Gott an sie denken und für sie sorgen. Denn, wenn da ein Gott ist, dann sind Raum und Zeit für ihn nicht entscheidend. Dann ist er da. Ist er für uns und durchbricht am Ende der Zeit die Tür in jene andere Welt, von der es in der Offenbarung heißt: 

„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Alte ist vergangen. Siehe ich mache alles neu!“ 

 

 

Ihre Jutta Schlitzberger